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letztes Update 18.09.2017



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© Angeles Hundehilfe e.V.

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Rund um die Frage nach der HUNDEERFAHRUNG ! Hat man sie schon , weil man immer Hunde hatte ?
Ganz klar NEIN !

Unsichere, ängstliche, trauma-tisierte Hunde...

Nicht erst seit Monaten häufen sich die unzähligen Aufrufe von Privatpersonen wie auch Tierschutzorganisationen gleichermaßen – gesucht werden Pflegestellen oder das endgültige Zuhause. Und in der Regel werden beide Alternativen von einem  „wieder“ begleitet: wieder eine neue Pflegestelle, weil die vorherige gescheitert ist; wieder ein neues Zuhause, weil auch die (letzten) Halter keinen Ausweg mehr sehen. Die Rede ist von unsicheren, bisweilen ängstlichen bis hin zu traumatisierten Hunden, deren Verhaltensweisen sowohl geprägt als auch erlernt sein können; manchmal sogar vererbt.

 

Während Furcht die mäßige Verhaltensreaktion des Hundes hinsichtlich eines bekannten/ unbekannten Auslösers beschreibt, zeichnet die Angst eine heftige Verhaltensreaktion aus. Bei Furcht ist der Hund noch in der Lage, den Reiz als wenig gefährlich zu betrachten, zu erforschen und ggf. zu flüchten. Angst hingegen hindert ihn an diesen Reaktionen. In seiner Überforderung in dieser Situation zeigt der Hund Angstsymptome wie z.B. Speicheln oder Stresshecheln, begleitet von starkem Unruheverhalten.

 

Die Angst steigert sich zur Ängstlichkeit, wenn der Zustand der Angst dauerhaft anhält. Auslöser von Ängstlichkeit können auch minimale Umweltreize sein, gekoppelt mit der Erwartungshaltung des Hundes, dass „etwas“ passiert. Der Hund ist im Dauerstress und zeigt dies durch übersteigerte Wachsamkeit und/oder Schreckhaftigkeit gegenüber jeglichen Veränderungen oder Abweichungen im Alltag an. Je nach Dauer und Intensität wirkt sich dieser Dauerstress auch auf die Gesundheit des Hundes aus. Manche Hunde sind "ein Strich in der Landschaft"; abgemagert trotz gutem Futter...

 

Als Trauma wird allgemein ein Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalem Ausmaß bezeichnet. Eine traumatisierende Verletzung kann sowohl körperlicher als auch seelischer Natur (Psychotrauma) sein. Zu einer psychischen Traumatisierung kommt es, wenn das Ereignis die psychischen Belastungsgrenzen übersteigt und nicht adäquat verarbeitet werden kann.

 

Geprägtes Verhalten verweist auf die Erfahrungen während der  wichtigen Prägephase des Welpen (5. – 12. Lebenswoche). Die Prägephase ist gekennzeichnet durch ein „besonderes“ Lernen, die Aufnahme von Reizen und Erfahrungen, die unauslöschlich sind, somit im späteren Leben auch nicht mehr „verlernt“ oder „abtrainiert" werden können. Ein hochgestresster Hund, mangels der Fähigkeit, den Angst verursachenden Reiz bzw. Auslöser zu verarbeiten, fällt daher zunächst immer in sein geprägtes Verhalten zurück. Ist dieses geprägt von Ängstlichkeit, fällt der Hund in genau dieses Verhaltensmuster zurück. Die einzige Chance, solche Hunde zu therapieren, liegt darin, mit ihnen und ihrer Bezugsperson gemeinsam ein 100%iges Vertrauensverhältnis aufzubauen, dass – generell und immer – Bestand hat, unabhängig vom Angstauslöser. Da solche Hunde nicht mehr generalisieren können, wäre es müßig, sie in Bezug auf bestimmte Reize zu desensibilisieren. Sobald auch nur der kleinste Bestandteil des Auslösers „anders“ ist, sieht der ängstliche Hund in der Regel darin eine völlig neue „Gefahr“. Jedoch kann er lernen, bei Angst auslösenden Reizen sofort die Nähe seiner Bezugsperson zu suchen und hier zur Ruhe zu kommen, im Vertrauen darauf, dass diese die Situation im Sinne des Hundes "managt".

 

Ist die Ängstlichkeit auf später folgende Erfahrungen (nach der Prägephase) zurückzuführen, handelt es sich um erlerntes Verhalten. Erlerntes Verhalten kann auch „verlernt“ werden – die Vorgehensweise in einer Verhaltenstherapie ist der bei geprägtem Verhalten ähnlich, jedoch sind Erfolge viel schneller und nachhaltiger zu erzielen, wenn der Hund über ein gutes „Fundament“ in der Prägephase verfügt und negativ-beeinflussende Erfahrungen erst später gemacht wurden.

 

Oftmals angeschafft aus Gründen des Mitleids und/oder in der Überzeugung, auch „solchen“ Hunden gerecht zu werden, werden ängstliche Hunde – ohne besondere Fachkenntnisse seitens des Halters - adoptiert und in die Familie übernommen; ihre Herkunft hat viele Gesichter: das Ausland, die vermeintlich seriöse „Zuchtstätte“, das Tierheim, der Privat-„Züchter“: oftmals sind sie depriviert aufgewachsen, fern von Umweltreizen und/oder menschlichen Kontakten jeglicher Art; nicht zwangsläufig muss dieses Heranwachsen mit schlechten bzw. negativen Erfahrungen verknüpft sein – die pure Tatsache, dass sie buchstäblich  nichts und niemanden in der Prägephase kennen gelernt haben, reicht bereits aus, dass sie in einer neuen, reizintensiven Umgebung völlig überfordert sind.

 

Aber auch Hunde, die bereits – in der Regel über einen längeren Zeitraum hinweg - die Erfahrung gemacht haben, dass sie selbst – und nur sie selbst – für ihre Sicherheit, ihr Überleben verantwortlich sind, vertrauen primär auf ihre eigenen Fähigkeiten als in die Führung der artfremden „Spezies“ Mensch. Und hier beginnt dann das Dilemma: die gute Tat, einen Hund zu retten, kommt in kleinen Scheibchen daher: unzählige e-mails und Telefonate mit der vermittelnden Organisation – kein Problem für den interessierten Halter oder Pflegestelle in spe. Das Bewusstsein, dass niemand nichts oder nur sehr wenig Aussagekräftiges über DIESEN Hund zusichern kann, schreckt nicht ab – im Gegenteil, die Einstellung „alles wird gut“ herrscht ungetrübt vor. Auch die Fahrt zum entlegenen Flughafen, die Übernahme und Ankunft im neuen Zuhause wird problemlos in Angriff genommen. Hier nun zeigt der Hund bereits – je nach familiärer Konstellation (Kinder, Mehrhundehaltung, viel Publikumsverkehr etc.) – erste Anzeichen seines Problems; ist verschreckt, verunsichert, will flüchten und geht in manchen Fällen – mangels Flucht- oder Rückzugsmöglichkeiten – auch schon das erste Mal „vor“. Jetzt wird alles noch in rosa-rot bewertet: „Ach, Du Armer, brauchst doch keine Angst mehr zu haben… jetzt bist Du in Sicherheit!“ Das Verständnis seitens des Halters, dass kein Hund diese Verbalform verstehen kann, fehlt gänzlich – man(n) meint es ja nur gut! Das Gegenteil wird erreicht – oftmals sind bereits diese „tröstenden“ Worte mit einer für den Hund bedrohlichen Körperhaltung des Menschen verbunden – er beugt sich über den Hund, um ihn zu trösten, zu streicheln, die Hand geht vor, um ihn anzufassen und – vermeintlich – zu beruhigen…

 

Es folgen die nächsten Tage und damit auch zwangsläufig die Eingliederung in den normalen Tagesablauf, die Konfrontation mit Alltagssituationen. Alle wollen alles richtig machen – die wenigsten Halter/Pflegestelle haben – in Bezug auf fundierte Kenntnisse über erlerntes vs. geprägtes (Angst)Verhalten und eine entsprechende ursachengestützte Therapie – wirklich Erfahrung und können dem Hund gezielt helfen. Hier zeigen sich oftmals folgende „Halterkategorien“:

  • Man hatte schon immer Hunde, wenn auch keine wirklich ängstlichen, traut sich aber dennoch alles zu.
  • Man glaubt, schon einmal einen Hund mit ähnlichem Verhalten gehabt zu haben und ist sich deshalb sicher, genau zu wissen, was zu tun ist. Im Zweifelsfall tut man das, was man auch schon früher mit dem eigenen Hund getan hat, egal, wie erfolgreich es war.
  • Man ist vom Mitleid aufgefressen und da man sich selbst als letzte Chance für diesen Hund sieht, meldet man sich und vertraut darauf, dass alles gar nicht so schlimm sein kann, wie es klingt.
  • Man hat bereits mehrere eigene Hunde und vertraut darauf, dass sich der Neuzugang an diesen orientiert und damit „sicherer“ wird.

Zunächst einmal: Mitleid ist gut – ohne dieses Gefühl, diese Fähigkeit, „sich in andere hinein zu fühlen“, wäre es nicht nur um den Tierschutz schlecht bestellt. Aber, Mitleid alleine genügt nicht! Die Verantwortung für einen Hund hört nicht da auf, wo er bei seinen Haltern, seiner Pflegestelle einziehen darf, dem sicheren Tod oder der weiteren Verwahrlosung seines bisherigen Lebens entronnen. Im Gegenteil – jetzt fängt sie erst an… die Verantwortung, DIESEM Hund ein artgerechtes und vor allen Dingen stressfreies Leben zu garantieren – sei es vorübergehend (während des Aufenthaltes in einer Pflegestelle) oder dauerhaft bis ans Lebensende im neuen Zuhause.

 

Leider sehen das viele Halter anders; die Anzahl der Pflegestellen wächst, die Hunde aufnehmen, aber aufgrund von Zeit- oder Kenntnismangel diese lediglich „verwahren“ – sie erhalten gutes Futter, ein warmes Plätzchen, Zuwendungen (falls es der Hund in seiner Angst zulässt), aber eine Lösung für ihre dauerhafte Angst, dem damit verbundenen Dauerstress, haben sie nicht. Auch wird unterschätzt, dass Angstverhalten sehr schnell in Aggressionen umschlagen kann, getreu dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.  Zu lesen bekommt man dann in den jeweiligen Vermittlungsanzeigen, dass man als Interessent für diesen Hund „… viel Zeit und Geduld benötigt“. Wirklich? Reicht es aus, Zeit und Geduld zu investieren, damit der ängstliche oder ggf. traumatisierte Hund wieder stressfrei wird? Die Erfahrungen im Tierschutzalltag zeichnen ein anderes, sehr deutliches Bild!

 

Viele Tierschützer, Halter, Pflegestelle meinen es gut – keine Frage! Aber ist gut auch gut genug und vor allen Dingen auch das, was dem Hund hilft? Zu beobachten ist vielmehr ein Bagatellisieren des eigentlichen Problems: kann Hund A nicht alleine bleiben, weil er unter Trennungsangst leidet, dann soll die Möglichkeit im neuen Zuhause bestehen, ihn mit ins Büro nehmen zu können oder ggf. ist eine Oma vorhanden, die den Hund tagsüber betreut. Hat er Angst vor Autos oder Straßenverkehr, wird eine ländliche Gegend gesucht. Zeigt er panisches Verhalten gegenüber Kindern, sind solche im neuen Zuhause ein Tabu. Grundsätzlich ist es sicherlich nicht verkehrt, den „schmaleren“ Weg zu gehen und die Angst auslösenden Faktoren zu (ver)meiden – jedoch, ein Vermeiden der Problematik ist eben keine Lösung, weder für den Hund, noch den Halter. Ein ängstlicher Hund lernt dabei nichts – schon gar nicht, sich seiner Bezugsperson anzuvertrauen. Denn irgendwo gibt es immer Straßengeräusche, trifft man auf dem Spaziergang Eltern mit Kindern oder fremde Artgenossen, wird ein Rollo heruntergelassen oder hört man die Fehlzündung eines Autos… die Umwelt lässt sich weder durch uns noch durch andere Faktoren zur Gänze kontrollieren. Und in jeder dieser Situationen, die – ohne dass wir es vermeiden können – entstehen, fällt der Hund unvermeidlich wieder in seinen „Stressmodus“ zurück. Er kann nicht anders, denn „von alleine“ wird/kann er nicht lernen, mit diesen Situationen umzugehen. Wieso tut sich „Mensch“ so schwer zu verstehen, dass er/sie eine zentrale Rolle in der Mensch-Hund-Beziehung spielt? Dass er/sie derjenige sein sollte, der seinem Hund das nötige Vertrauen vermittelt, damit sich dieser nicht mehr in der „Eigenverantwortung“ sieht; er nicht mehr selber „klären“ muss… mit allen damit verbundenen Gefahren, von der Flucht über die Straße/in den Wald bis hin zum Angriff auf andere Hunde oder gar Menschen? Aus Angst.

 

Leider fehlt vielen Hundehaltern das sprichwörtliche „Auge“ für ihren Hund und dessen, was ER sieht und als Gefahr einstuft. Letztes Wochenende begegnete uns auf einem Spaziergang durch den Wald ein Hundehalter mit seinem ca. 1-jährigen Schäferhundmix. Der Hund war panisch, als er uns erblickte. Er zog – an der Leine – ins Unterholz, die Rute klemmte unter seinem Bauch, sein Stesshecheln war weder zu überhören noch zu übersehen; seine ganze Körpersprache schrie seine Angst heraus. Herrchen sprach „beruhigend“ auf ihn ein und meinte – entschuldigend - (es war ihm sehr peinlich… warum eigentlich? Sein Problem ist sein Hund, nicht andere Passanten und was diese denken) zu uns: „Er ist aus Griechenland… wir haben ihn erst seit 6 Monaten und unsere Hundeschule hat uns gesagt, das bleibt auch so. Wir können gut damit umgehen; dann bleibt er eben an der Leine und darf nur in unserem Garten freilaufen…“. Ehrlich gesagt, ich war entsetzt! MANN kann damit leben…? Und wie sieht DAS wohl der Hund? Die Ausrede der Herkunft – sie muss mal wieder dafür herhalten, dass dieser Hund die nächsten 10 – 15 Jahre jeden Spaziergang im Dauerstress durchlebt; mal ganz abgesehen davon, was alles passieren könnte, falls er sich das Halsband doch einmal in seiner Panik über die Ohren zieht oder Herrchen stolpert und die Leine fallen lässt. GENAU diese Vorfälle finden – ebenfalls mit stark steigender Tendenz – Einlaß in unsere täglichen Tierschutzmeldungen: die Anzahl der entlaufenden Hunde, die „... sich erschreckt haben und in Panik davon gelaufen sind…“ nimmt jede Woche zu. Auch dies wäre einmal ein guter Anlass darüber nachzudenken, dass es nicht damit getan ist, ängstliche Hunde lediglich gut „zu sichern“, sondern sich Gedanken zu machen, wie man an den Ängsten des Hundes arbeiten kann, damit er sich erst gar nicht erschrickt und in Panik davon stürmt. Die Fragen nach den Ursachen eben… und nicht die vielgeliebte, weil „einfache“, Symptom-Arbeit.

 

Haben Sie eine laufende Nase? Da helfen ggf. Nasentropfen. Ist es „nur“ ein kleiner Schnupfen, bleibt Ihre Nase auch nach dem Absetzen der Nasentropfen „trocken“. Was aber, wenn die Nase sofort wieder zu laufen beginnt? Ständig Nasentropfen nehmen? Hier beginnt die Symptomarbeit… die Nasentropfen überlagern nur die eigentliche Ursache… denn die könnte ggf. eine ausgewachsene Grippe oder eine eitrige Nebenhöhlenentzündung sein. Nur wenn die Ursache erkannt ist, können die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, die zur Heilung führen. Mit der richtigen Diagnose und der richtigen Therapie braucht man am Ende auch keine Nasentropfen mehr, ist beschwerde- und schmerzfrei. DAS kennzeichnet eine ursachengestützte Therapie.

 

Zu wissen, was genau ein ängstlicher oder traumatisierter Hund erlebt hat, ist wichtig… es nicht zu wissen, verhindert dennoch nicht die richtige Diagnose. Denn der Hund „spricht“ durch sein Verhalten zu uns, zeigt genau an, wo sein Problem liegt – wo es beginnt und endet. Ein Hund mit unbekannter Herkunft, der sehr ängstlich auf Autos reagiert, kann uns nicht sagen, was genau passiert ist – es bleibt Spekulation. Jedoch… man kann sehr genau herausfiltern, ab z.B. welcher Distanz seine Unsicherheit beginnt und sich verstärkt; sind es bestimmte Geräusche (Traktoren/Busse etc.) oder sind es Autos im allgemeinen, unabhängig davon, ob sie stehen/parken oder fahren; beginnt seine Angst bereits beim ersten Auto, das er erblickt oder nimmt die Unsicherheit erst mit zunehmender „Auto-Dauerkonfrontation“ zu; hat der Hund bereits Stress, wenn alle Anzeichen für ein Verlassen des (sicheren) Hauses sprechen (z.B. Griff nach dem Schlüssel, der Jacke, der  Leine…) oder erst, wenn man die Straße erreicht? Alles wichtige Informationen, die eine genaue Einschätzung des Hundes und seiner (ggf. schwerwiegenden) Probleme erlauben. Leider nimmt sich heutzutage kaum noch jemand die Zeit, eine „simple“ Situationsanalyse vorzunehmen. Ganz zu schweigen davon, dass viele Halter einfach nicht in der Lage sind, eine Situation aus den Augenwinkeln eines Hundes zu betrachten. Da wundert sich Halter A, dass sein Hund auf dem Feld zitternd stehen bleibt und mit eingeklemmter Rute leise vor sich hin knurrt. Reaktion des Halters: „Da ist doch nix… was haste denn?“ Ein kurzer, intensiver Blick in die Richtung, aus der der Hund die „Gefahr“ anzeigt, hätte genügt, um dort – auf weiter Feld und Flur – einen riesigen Heuballen zu erblicken. Für den Hund etwas sehr Ungewöhnliches, was ihn zunächst extrem beunruhigte. Und für den Halter? Eben „nix“… weil für ihn ein Heuballen eben „nur“ ein Heuballen ist. Das „Auge“ für den Hund und mögliche Erklärungen für sein Verhalten? Es fehlt!

 

Gerne wird in den Vermittlungstexten – geradezu gebetsmühlenartig – darauf hingewiesen, dass unbedingt ein zweiter Hund im neuen Zuhause vorhanden sein soll, an dem sich der unsichere Hund orientieren kann und soll. Warum? Die Verantwortung für einen Hund liegt beim Halter… und nicht beim bereits vorhandenen Hund! Oder schaffen Sie sich ein zweites Kind an, damit Ihre erstgeborene Tochter abends beim Schlafengehen nicht so viel Angst im Dunkeln hat…???? Wieso ist man sich als Halter nicht von Anfang darüber im Klaren, dass man selbst derjenige ist, der für Erziehung und Auslastung, aber ebenso für Vertrauen und Sicherheit seines Hundes verantwortlich ist? Einfache Antwort: weil es Arbeit macht, gelle?! Es mutet doch so viel einfacher an, die Verantwortung auf die Hunde zu schieben; sollen die es klären und für gegenseitiges Vertrauen sorgen. Ist doch „hundegerecht“, oder nicht?

 

Die Folgen, die sich aus dieser „Ich-will-einen-armen-Hund-retten-aber-bitte-ohne-Arbeitsaufwand“-Sichtweise ergeben, können schwerwiegender sein, als manchem Halter lieb ist. Die Meldungen bezüglich der Abgabe eines Hundes oder für seinen Xten Wechsel der Pflegestelle, weil sie mit der Unsicherheit des Hundes und den daraus resultierenden Verhaltensweisen überfordert ist, steigen ständig. Spätestens, wenn dieser Hund, mangels Flucht- oder Rückzugsmöglichkeit, den Weg nach vorne beschreitet (sprich: er attackiert, schnappt oder beißt), ist sein Auszug beschlossene Sache. Man hat Angst um die Kinder (zu Recht), will keinen Ärger mit dem Nachbarn, fühlt sich „eingeengt“ in seinem persönlichen Aktionsspielraum, weil man DIESEN Hund schließlich nicht mehr überall mitnehmen kann, genauso wenig, wie man ihn mal eben der besten Freundin auf´s Auge drücken kann… die Gründe sind – jedes Mal – altbekannt. Selbst wenn diese Gründe einmal – ausnahmsweise – nicht zu einer Abgabe führen, ist in der Regel die erste Wahl der Reaktion immer die der „Vermeidung“. Entweder werden alle Auslöser für ein unerwünschtes Verhalten des Hundes unterbunden oder der Hund wird weggesperrt, wenn sich diese Auslöser nicht kontrollieren lassen. Was kann der Hund daraus „lernen“? Nichts! Es wäre um die Zukunft und die Sicherheit sowohl des Hundes als auch seines Umfeldes sehr viel besser bestellt, wenn wir Menschen verstehen würden, WIE ein solcher Hund lernen kann, sich an seinem Menschen zu orientieren, diesem somit die Führung und damit auch den Aspekt der Sicherheit zu überlassen. Dies jedoch bedeutet ein Umdenken seitens des Halters; lieb gewonnene Ausreden á la „das machen die (Hunde) schon unter sich aus…“ bis hin zu „da kann man halt nichts mehr ändern, der Hund ist zu alt/kommt aus dem Ausland/wurde geschlagen etc…“ haben dann keine Gültigkeit mehr und müssen der Erkenntnis weichen, dass solche Hunde unbedingt eine Bezugsperson benötigen, die in den Augen eben dieses Hundes richtig handelt… in ALLEN Situationen und nicht nur vereinzelt, situativ, wie es dem Halter gefällt…

Dies bedeutet vor allem eins: Arbeit, Konsequenz und ein gutes, sicheres Verständnis, wie ein Hund „tickt“. Dass kein Hund, und schon gar kein ängstlicher und damit überforderter, in der Lage ist, jede Situation - im Sinne seines Halters - konfliktfrei „zu klären“. Im Gegenteil. Ist ein solcher Hund auf sich alleine gestellt, weil sein Halter weder Grund noch Not sieht, sich einzubringen, Führung und Präsenz zu zeigen, dann kann ein Hund nur so agieren, wie er selbst es für richtig und nötig hält – mit allen Konsequenzen: Flucht oder Angriff? Warnen in Form von Knurren oder direkt zubeißen? Versteinert verharren und hoffen, dass nichts passiert oder attackieren? Übersprungshandlungen als Stressventil? Alles ist möglich – alles ein Ausdruck von Hilflosigkeit, Überforderung gepaart mit den Aktionen des Hundes, die sich in der Vergangenheit in diesen oder ähnlichen Gefahrensituationen für ihn als erfolgreich, als Überlebensstrategie erwiesen haben.

 

Die Lösung liegt darin, dass der Mensch die Klärung dieser Situation a) für sich beansprucht und b) diese auch aus Sicht des Hundes adäquat managt. Hat der Hund in zahlreichen Situationen erst einmal gelernt, dass es sich lohnt, seiner Bezugsperson zu vertrauen, ihr damit jegliche „Ersthandlungen“ überlässt, kann der Hund somit Verantwortung abgeben. Sein Stresslevel sinkt automatisch bzw. baut sich im Verlauf der Therapie erst gar nicht mehr auf; ein eigenes „Klären“ in Form von Flucht oder Angriff somit überflüssig. Ein anspruchsvoller „Job“ für den betroffenen Hundehalter, aber einer, der sich lohnt – dauerhaft. Denn was gibt es Schöneres, als einen Hund zu retten UND ihm ein artgerechtes und stressfreies Leben zu ermöglichen? Zu sehen, wie sich sukzessive ein Band des Vertrauens aufbaut und durch nichts zu erschüttern ist? Ein Generalvertrauen sozusagen, nicht abhängig von der jeweiligen Situation, dem jeweiligen „Gefahrengrad“, sondern ein grundsätzliches Vertrauen in die Fähigkeit der Bezugsperson. Die Fähigkeit seines Menschen, Gefahren zu erkennen und je nach Situation und Bedarf, angemessen zu handeln. Im Sinne des Hundes… und nicht der eigenen Bequemlichkeit.

 

(Quelle:http://www.hundefreud-hundeleid.de/DreiAffen/Warum/angsthunde.htm)

Der Hund ist schuld!

Nichts wird im Tierschutz so kontrovers diskutiert wie die Gründe, die zur Abgabe eines Hundes führen…
 
Gründe, warum ein Hund wieder abgegeben wird, gibt so viele wie Sand am Meer: er bleibt nicht alleine, er bellt zu viel, er mag die Kinder nicht, hat sie sogar gebissen, er mag den Ehemann nicht oder die Schwiegermutter, er will partout nicht Auto fahren, er ist eifersüchtig auf den vorhandenen Rüden oder umgekehrt… alle Gründe aufzuzählen, wäre unmöglich.
 
In fast jedem Fall ist der (Noch)-Halter der Meinung, er bzw. sie habe alles richtig gemacht. Die Wiedergabe der Gründe bzw. Rechtfertigungen folgt in der Regel immer einem vergleichbaren Schema: zunächst wird ausführlich aufgezählt, was DER HUND (Fazit 1…) alles nicht kann bzw. falsch macht; gefolgt von der persönlichen Feststellung, dass man selbst „alles richtig gemacht und alles versucht“ hat (Fazit 2…), aber der Hund einfach nicht versteht, deshalb muss er ausziehen und zwar so schnell wie möglich (Fazit 3…).
 
Erstaunlicherweise sind es aber gerade jene Menschen, die noch wenige Wochen zuvor versicherten, dass sie über sehr viel Hundeerfahrung verfügen, dass sie dem Hund selbstverständlich eine individuelle Eingewöhnungsphase gewähren, dass sie ggf. unerwünschte Verhaltensweisen ihres „2nd Hand“ Hundes mit Geduld, Konsequenz und Durchhaltevermögen begegnen, um die zukünftige Erziehung in die richtigen Bahnen zu lenken. Und JEDER Halter sagt den einen Satz, der die (Wert)Stellung des Hundes auf den Punkt bringen soll: „Er ist ein vollwertiges Familienmitglied – er gehört zu uns und wir können uns nicht vorstellen, ihn jemals wieder herzugeben…“.
 
Das Familienmitglied – was genau ist damit gemeint? Nun, für mich ganz persönlich würde es – unabhängig davon, ob es sich um Mensch oder Tier handelt – bedeuten, dass diese Beziehung „unkündbar“ ist; dass das sprichwörtliche „durch dick und dünn gehen“ GENAUSO zu verstehen ist wie das Versprechen „in guten wie in schlechten Tagen“ zueinander zu stehen. Wenn man schon den Ausdruck „Familie“  bemüht, dann sollte er schon einiges an Gewicht mitbringen, oder nicht?
 
Und „vergleichen“ wir doch einmal die Probleme unserer menschlichen und hündischen Familienmitglieder! Sind sie wirklich so unterschiedlich?
 
Pluto, ein 6 Monate alter Mischlingsrüde, soll nach nur wenigen Wochen wieder ausziehen, Pluto mobbt Benny, den Cockerspaniel der Familie, bei jeder Gelegenheit, schnappt nach den Hosenbeinen der Kinder und knurrt laut und energisch, wenn man ihn korrigieren will. Man hat nun Angst, dass Benny sich zurückgesetzt fühlt und die Kinder schlechte anstatt gute Erfahrungen mit dem Hund machen. Irgendwie hat man es sich doch ganz anders vorgestellt – man wollte ganz bewusst einen 2. Hund, weil man Hunde liebt, viel Platz und Zeit und auch Erfahrung hat.
 
Benny hat sich immer gut mit anderen Hunden auf den Spaziergängen vertragen und auch in den ersten beiden Wochen schien alles so harmonisch - und nun „so etwas“. Da Pluto nicht verstehen will (Fazit 1), dass er sich „normal“ zu verhalten hat und man schon wirklich alles versucht hat (Fazit 2), bleibt jetzt nur die Einsicht, dass Pluto die falsche Wahl war und leider nicht bleiben darf (Fazit 3). Auch die restliche Familie, Freunde wie auch Nachbarn sehen das ganz genauso – niemand würde unter diesen Umständen den Hund behalten. Sie fanden es bereits schon sehr lobenswert, dass die Familie überhaupt einen Hund aus 2. Hand übernommen und es versucht hat… aber was nicht geht, geht nicht – sie hätten es auch ganz genauso gemacht.
 
Kommen wir wieder auf das „Familienmitglied“ zurück – ich frage mich bei solchen Schilderungen immer wieder, wie die Familie die Situation erlebt und gemeistert hätte, wenn das Familienmitglied nur 2 Beine gehabt hätte:
 
Kläuschen, das Kleinkind der Familie, ist ein Wunschkind – man wollte schon immer eine große Familie haben und als sich Baby Nr. 3 ankündigte, war die Freude groß. Leider währte sie nicht lange, denn Kläuschen ist viel anstrengender als die anderen beiden Kinder damals in diesem Alter und verlangt viel Aufmerksamkeit. Zudem fängt Kläuschen nun an zu krabbeln und nervt bzw. stört die anderen Kinder beim Spielen – immer will er „dabei“ sein, mitspielen und möchte, dass man sich um ihn kümmert. Die Mutter ist schon ganz verzweifelt, denn die beiden älteren Kinder kommen jetzt schon zu kurz und beklagen sich zudem über die Störungen von Kläuschen. So hatte sich die Mutter das nicht vorgestellt – es war doch immer so harmonisch und nie gab es Probleme bei den ersten beiden Kindern… und nun so etwas!
 
Jedes Mal erklärt sie Kläuschen, dass er „das“ nicht darf, aber er hört einfach nicht zu. Da die beiden anderen Kinder schließlich zuerst da waren und nichts dafür können, will man sich nun von Kläuschen trennen – er ist einfach nicht das „richtige“ Kind und schließlich habe man schon alles versucht. Bei den anderen Kindern gab es nie Probleme – als Eltern ist man erfahren und weiß, was zu tun ist – und wenn dies bei Kläuschen nicht zum Erfolg führt, kann es nur an Kläuschen selbst liegen. Die Eltern erzählen ihren Freunden von ihrer Entscheidung, Kläuschen wieder abzugeben… und sind entsetzt! Anstatt Mitleid und Zuspruch zu hören, wird ihnen deutlich zu verstehen gegeben, dass sie sich als Eltern mehr Mühe geben müssen; dass jedes Kind ein Individuum sei – mit Stärken und Schwächen – und dass es schließlich ihre Aufgabe als Eltern sei, diese schwierige Phase durchzustehen und sich ggf. Rat und Unterstützung bei der Elternberatungsstelle zu holen. Dass dies eine ganz „normale“ Phase sei, die jede Mutter früher oder später durchstehen muss und das es noch viel schwierige Herausforderungen geben werde, bis das Kind volljährig ist…
 
NIEMAND käme auf den Gedanken festzustellen, dass Kläuschen „schuldig“ ist oder dass man als Eltern „alles“ getan hat, oder doch?????
 
Als Hundehalter sind auch wir immer „Hunde-Eltern“ – nur wir können Entscheidungen treffen und haben auch die Möglichkeiten, Konsequenzen einzufordern. Wir stellen „Mensch & Tier“ ganz bewusst NICHT auf eine Stufe, aber…. es hilft zu verstehen, dass ein Hund genauso wie ein Kind auf unsere Hilfe angewiesen ist, um sich in unserem Lebensumfeld einzufügen und dass wir alleine für Folgen und Konsequenzen verantwortlich sind. Und wenn man diesen Leitgedanken einmal verinnerlicht hat, dann weiß man: der Hund KANN niemals schuld sein, denn es fehlt ihm an der dafür nötigen „Schuldfähigkeit“.
 
Ich persönlich wünsche mir schon seit langem, dass betroffene Hundehalter eine Möglichkeit für sich finden, „über den Tellerrand“ zu schauen… zu verstehen, dass „alles“ was aus ihrer Sicht für sie selbst möglich wäre, eben nicht automatisch „alles“ ist, was getan werden kann. Und dann erst zu entscheiden, ob es nicht doch mehr Möglichkeiten gibt, „mehr“ zu tun…
 
Und ich wünsche mir mehr Engagement von „Unbeteiligten“… dass sie durch ihren sicherlich gut gemeinten, aber wenig zielführenden „Zuspruch“ NICHT den Eindruck stützen, die Abgabe eines Tieres ist eine lapidare,  jederzeit nachvollziehbare Angelegenheit ohne Alternativen…
 
Denn auch diese Abgabefälle sind Realität, die alltägliche… so geschehen gestern, alles an nur einem Nachmittag:
 
Da wird der Hund aus „zeitlichen“ Gründen abgegeben, weil man „jetzt“ wieder Arbeit hat. Die Gespräche mit der Familie zeigen, dass die Frau die letzten 3 Monate arbeitslos war und meinte, dies sei ein geeigneter Zeitpunkt für die Adoption des Hundes… Weitsicht – Fehlanzeige!
 
Ein Hund wird aus finanziellen Gründen abgegeben… wir erfahren in einem Telefonat, dass er auch sofort „weg“ muss, dann nächste Woche fahren sie in den Urlaub und können den Hund nicht mitnehmen. Geld für den Urlaub – selbstverständlich.
 
Eine Frau ruft an – sie interessierte sich für eine Labrador-Mix-Hündin. Im Gespräch erfahre ich, dass sie ihren 16 Monate alten Labrador-Rottweiler-Mix-Rüden, den sie vor 2 Monaten an einer Bushaltestelle gekauft hat, gerne gegen diese Hündin eintauschen möchte. Ihr Rüde mag ihre 4-jährige Tochter nicht, bleibt immer noch nicht alleine und mobbt andere Hunde. Außerdem sei sie wieder berufstätig und hat nicht viel Zeit für den Hund… der Mangel an Verantwortungsbewusstsein VOR der Adoption eines Hundes – HIER ist er!
 
Ein weiterer Notfall gestern Nachmittag: ein 4-jähriger Jack-Russel-Rüde soll eingeschläfert werden – alle halbe Jahre schnappt er nach den Kindern und der Schwiegermutter, und dass, obwohl man selbst den Kleinkindern gezeigt hat, wie man einen Hund per Alpha-Wurf „unterwirft“... Sie weigern sich, ihn in eine Pflegestelle zu geben (die wir ihnen angeboten haben) – für sie kommt nur das Einschläfern in Frage – schließlich haben sie Ahnung von Hunden, immer schon welche gehabt – diesen Hund könne niemand mehr „hinbiegen“… Eine engagierte Tierschützerin vor Ort macht den Tierarzt ausfindig, der den Hund einschläfern soll – dort tauchen die Besitzer erst gar nicht mehr auf… am Abend ist der Hund „weg“….
 
Ohne Zweifel gibt es aber auch „wirkliche“ Gründe für eine Abgabe…. während meiner Tätigkeit für die Kleine Arche Straelen lernte ich Kimba kennen. Kimba, dessen Herrchen an Krebs erkrankte und bedingt durch ununterbrochene Krankenhausaufenthalte nicht mehr für ihn sorgen konnte. Am Tag der Abholung von Kimba bestand er darauf, dabei zu sein und entließ sich selbst für einen Tag aus dem Krankenhaus, um sich von Kimba zu verabschieden. Letzte Woche ist er seiner schweren Krankheit erlegen… Wenn es einen unverschuldeten Abgabegrund gibt… DAS ist er!
 
Bei der unermesslichen Vielzahl der auch weiterhin ansteigenden Abgabementalität eint die große Mehrheit der Gründe allerdings vorrangig nur eins: Mangelerscheinungen! Ein Mangel an Verantwortungsbewusstsein, der bereits bei der Auswahl eines Hundes beginnt und sich bei der vermeintlichen „Problembewältigung“ fortsetzt. Ein Mangel an Bereitschaft, den eigenen Lebensrythmus zeitweise umzustellen, falls erforderlich. Ein Mangel an Durchhaltevermögen, denn oftmals ist schnell nicht schnell genug. Ein Mangel an Kompromissbereitschaft… denn der Traum vom  „Traumhund“ soll wahr werden und die Realität erweist sich als störend.
 
Ein Grund, warum WIR uns ein Werturteil über so genannte Abgabegründe erlauben, liegt darin begründet, dass wir sie aufnehmen… diese „bissigen, ängstlichen, verhaltensgestörten, kinderhassenden, angst-aggressiven“ Hunde ... Und stellen fest, dass kaum ein Hund das ist, was man(n) oder Frau ihm nachsagte.
 
Da gibt es eine 3-jährige Berner Sennenhündin, Lucy (um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen), die sich nach den Einschätzungen eines belgischen Tierheims so "traumatisiert und ängstlich" zeigte, dass man keinerlei Vermittlungsmöglichkeit für sie sah und schon die letzte Alternative in die engere Wahl gezogen wurde…
 
Nach einer Not-OP der Kleinen Arche Straelen und dem anschließenden Umzug zu uns zeigte sie sich vom 1. Tag an offen, zutraulich, menschenbezogen, verspielt und unternehmenslustig – wir haben viele Videos „gedreht“, denn so richtig glauben wollte es uns niemand. Alles, was diesen Hund verunsichert hatte, war das hektische, laute Tierheimleben und eine ebensolche Körpersprache. „Korrigieren“ musste man als menschlicher Partner bei diesem Hund rein gar nichts…. sie brauchte lediglich einen „Tapetenwechsel“ in ein ruhigeres, einfühlsames Umfeld.
 
Ich hätte schon längst kapituliert – vor der Unkenntnis, der Leichtfertigkeit, der Sorglosigkeit, der Unvernunft.. wenn es da nicht die wahren, netten, sympathischen WIRKLICHEN Hundefreunde gäbe! Diejenigen, die ohne WENN und ABER bereit sind, ihr neues Familienmitglied in ihrem Leben zu begrüßen; die VOR der Entscheidung „pro Hundeadoption“ im Kreise ihrer Familie gemeinsam überlegt und abgewogen haben, ob, wann und vor allen Dingen WELCHER Hund zu ihnen, ihrer Lebensführung passt. Dem Hund uneingeschränkt Liebe, Geduld und Zeit widmen, bis er sich in seiner neuen Welt eingefunden und eingelebt hat. Die mit Optimismus, Konsequenz und Durchhaltevermögen kleine und auch größere Probleme meistern. Diesen Hundeliebhabern gilt mein Respekt und meine Hoffnung, dass es von dieser Spezies Mensch ausreichend Exemplare gibt, um das Elend der Hunde in Not auch in den kommenden Monaten und Jahren ein wenig zu mildern.
 
Daran glaube ich fest.

 

(Quelle:http://www.hundefreud-hundeleid.de/DreiAffen/Neulich/Hundeschuld.htm)

Auf der Suche nach einem neuen Familienmitglied.

 Gibt es den "gebackenen" Hund ?

Wir müssen verNEINen !

 

Suchen Sie sich Ihren Hund nicht nur nach optischen Merkmalen aus, sondern lassen Sie sich von uns beraten, ob der ausgewählte Hund vom Charakter und von seinen Bedürfnissen auch wirklich zu Ihnen passen würde. 

 

Bedenken Sie aber bitte auch, gerade bei Auslandstieren, das bestimmte Verhaltensweisen nicht immer voraussehbar sind und sich die Tiere in einer neuen Umgebung, mit neuen Menschen und anderen Gegebenheiten auch ganz anders entwickeln können.

 

Stellen Sie sich VOR einer Anschaffung selbst folgende Frage :

 

WAS soll Ihnen der Hund bieten und

 WAS können Sie dem Hund im Gegenzug anbieten und vor allem

 WAS können Sie keinesfalls leisten?

Der ideale Hund

... schon gefunden?

Alle Ansprüche dieser Welt… an den Hund, an seine „Qualitäten“ und selbstverständlich auch an seinen Preis! Den täglich gelebten Querschnitt aus telefonischen, persönlichen und virtuellen Anfragen und Gesuchen - Sie finden ihn hier:

 

"Wir suchen ein ruhiges Tier für Haus und Hof, ab 3 Jahre, stubenrein, kinderlieb. Er muss problemlos allein im Haus bleiben und ohne Leine laufen können…" Ach, könnten nur Hunde einmal ihre Auswahlkriterien an den Halter in spe zu Papier bringen!

 

Ich suche einen Golden Retriever welpen, soll eine hündin sein. Und bitte auch nicht teuer zwieschen 100 bis 150 euro. Ein Rassehund muss es sein, ein Welpe dazu… aber die in (seriösen) Züchterkreisen üblichen Preise dürfen es nicht sein.

 

Eine Familie sucht einen 8 Wochen alten Mischlingsrüden „… gerne mit wuscheligem Fell, am besten in der Farbe schwarz-weiss, muss aber nicht unbedingt - alles Anbieten, FP 100 Euro!“ Ohhhh, die Kuscheloptik – richtig! Sie ist das Wichtigste schlechthin beim überlegten,  preiswerten Hundekauf! Hauptsache schön und billig! Die Garantie für ein lebenslanges Hundeglück. Selbst beim Kauf einer Waschmaschine macht sich der Durchschnittsmensch mehr Gedanken!

 

"Wir suchen einen Afghanischen Windhund; wir haben schon eine Hündin. Falls Sie einmal einen solchen Hund in der Vermittlung haben, bitte sofort anrufen. Wir können aber nur in Raten zahlen, wenn er nicht umsonst ist." Der Hundekauf auf Raten… hoffentlich findet sich auch ein Tierarzt, der sich im Krankheitsfall sein Honorar auf Raten abstottern läßt. Und eine Versicherungsgesellschaft und ein Finanzamt…

 

"... suchen auf diesem Wege ein Familienmitglied, Er oder Sie sollte andere Hunde mögen so wie Katzen und Pferde, wichtig Kinderlieb, wir haben Hündin von 5 Monaten, die sich sehr langweilt." Warum nur 1 Hund, der sich langweilt, wenn man auch 2 halten kann, um die man sich nicht kümmern muss!? Der geniale Schachzug – 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen, selbstverständlich nur dann, wenn Hund Nr. 2 schon alles kann und vööööölig unproblematisch ist – anders wäre nämlich schlecht – denn wo es schon an der Zeit für die Beschäftigung EINES Hundes fehlt, wären ganz sicher auch zwei unterfordert.

 

"Hallo, ich suche jemand, der uns einen Welpen (gerne Rüden) schenkt. Er sollte nett, stubenrein sein und gesund sein. Natürlich auch kinderlieb und andere Hunde mögen." Und ich suche ein nettes Haus, groß, vollständig renoviert – natürlich nach meinem Geschmack; nicht zu alt und nicht zu neu, mit Heizkosten, die bereits für 1 Jahr im voraus bezahlt sind, für… geschenkt!

 

"… suchen kinderlieben hund! rasse und alter egal er sollte nicht großer als ca 40cm und günstig bitten dafür ein tolles zu hause mit einen spielgefärten und kinder und garten." Die ganz „uneigennützigen“ und sooo sachkundigen Interessenten – das gute Zuhause im Tausch für den billigen Hund, dessen Veranlagung (Rasse) und Alter völlig egal ist.

 

"... der Hund soll bis 1 Jahr alt sein. Sollte stubenrein sein, Kinderlieb sein und sich mit anderen Hunden vertragen. Der Hund kann auch gerne ein Mix sein, muss nicht unbedingt reinrassig sein.. Die Schulterhöhe des Hundes soll ab 40cm sein. Größer würde auch gar kein Problem sein.. Aber nur nicht kleiner. Über den Preis haben wir uns noch nicht so wirklich gedanken gemacht.. Aber der Preis sollte natürlich nicht übertrieben sein. Es sollte sich also noch in Grenzen halten." Kein Kommentar – manchmal fehlen selbst mir die Worte.

... aber, nicht verzagen! Vielleicht wird man ja hier fündig:

 

"Wir haben selbst Nachwuchs bekommen, müssen uns räumlich verändern und suchen für unsere Deutsche Pinscherhündin ein liebe- und verantwortungsvolles neues Zuhause." Tja, so ein Pinscher… ist ja rassetypisch sooo groß, dass er in einer normalen Wohnung keinen Platz mehr findet. Der Platz zum Schlafen nimmt nur wenige qm (... oder darf ich´s wagen und von cm sprechen...?) in Anspruch – die Zeit zur täglichen sinnvollen Beschäftigung und Auslastung im Rahmen der Spaziergänge hingegen schon. Ist das vielleicht der wahre Grund? Ein Zweibeiner mehr im Tausch für einen Vierbeiner weniger... wahre Tierliebe!

 

"… sucht ein neues zu hause! möchte meine kleine süsse abgeben, da unser alter Hund gestorben ist und sie sich allein fühlt." Da ist er wieder… der 2. Hund, der die Aufgaben und die Verantwortung der Halter übernehmen soll bzw. übernommen hat. Und wehe, er stirbt… auch dann hat man keine Zeit, seinem Hund höchstpersönlich gerecht zu werden. Der einfache Weg: Abgabe unter dem Deckmäntelchen der menschlichen Trauergefühle...

 

Schäferhund, Rüde, 7 Monate zu verkaufen. Für den Hundesport nicht geeignet, da er leider dafür einfach zu lieb ist... Braucht es einen „bösen“ Hund, um gewaltfreien, erfolgreichen Hundesport zu betreiben??? Gut, dass er nun abgegeben wird – bevor er zur Verstärkung seiner „lieben“ Triebe Bekanntschaft mit dem Teletakt macht oder im Wehrtrieb unterrichtet wird! Der nächste Hund dieser Halter, der zur Befriedigung des eigenen Egos auf dem Hundeplatz zweifelsohne in naher Zukunft angeschafft wird  – er tut mir jetzt schon leid!

 

"... ich muss leider meine 12 jährige hündin abgeben da sie nicht mit meinem sohn klar kommt. habe es eine längere zeit probiert aber es wird schlimmer anstatt besser." Gäbe es das Wörtchen „leider“ nicht… wie könnte man so manchen Menschen glauben, dass sie wirklich alles (und vor allen Dingen das Richtige…) probiert haben? Ein 12(!) Jahre alter Hund verliert nun sein Zuhause, weil seine Halterin nicht in der Lage ist, den Grund zu erkennen und danach zu handeln. Das eigene Kind geht immer vor – richtig! Aber noch lange kein Grund, sich nicht sachkundige Hilfe zu holen und das eigene Wissen um die Lösung des Problems zu erweitern. Und was für Vermittlungschancen hat wohl ein 12 Jahre alter Hund, der als „nicht kinderverträglich“ ein neues Zuhause sucht?

 

(Quelle:http://www.hundefreud-hundeleid.de/DreiAffen/Neulich/Ideale_Hund.htm)